Die Zimmermänner
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Die Zimmermänner / © Elliot Blunck

Donnerstag, 07 Mai, 2015 - 20:00

Die Zimmermänner

amSTARt präsentiert:

DIE ZIMMERMÄNNER
Rica Blunck
Timo Blunck
Detlef Diederichsen
+ special guests!

neue Platte:
"Ein Hund Namens Arbeit" (tapete records)

+ DJs Alex Bechberger & Markus von Schwerin

Doors 20:00, Concert 22:00
VVK: @ koka36 | @ tapete
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...am 24. Oktober 2014 veröffentlichten Timo Blunck und Detlef Diederichsen alias Die Zimmermänner sowohl das 4-CD Boxset "Die Wäscheleinen waren lang" mit alten und unveröf-fentlichten Aufnahmen, als auch das neue Album "Ein Hund namens Arbeit".
Ist der Hammer geworden. „Die scharfe Dr. Schulz“, „Wir wollen keinen Ärger in dieser Stadt“ oder „Die Nöte des feinen Mannes“...was soll man sagen? Hits, Hits, Hits, Läuft bestimmt demnächst im Radio rauf und runter.
Frühjahr 1980: In der stolzen Hansestadt Hamburg fusionieren an einer Oberschule zwei Bands. Die eine Band trug den für diese Zeit nicht untypischen Namen Junge Rümpfe, die andere den damals etwas altmodisch anmutenden, doch nichtsdestotrotz flotten Namen Freddie & The Ready Teddies. Während die Rümpfe laut Auskunft von Mitglied Detlef Diederichsen eine „knallharte NDW-Truppe“ waren, spielten die nach dem Little-Richard-Kracher benannten Teddies, man glaubt es kaum, Rock'n'Roll. Mitglied der Tradrocker war Timo Blunck.

Auf dem Schulhof kamen Blunck und Diederichsen zunächst ins Gespräch und dann überein, fortan gemeinsam Musik zu machen. Auch über die stilistische Ausrichtung der neuen Band wurde alsbald Einigkeit erzielt. Ska sollte es sein. Diese jamaikanische Tanzmusik erlebte gerade durch britische Bands wie Madness oder die Specials einen zweiten Frühling und im Sommer 1980 traten Blunck, Diederichsen und ihre Mitstreiter (darunter Bluncks Schwester Rica und Christian Kellersmann) als Skafighter auf Partys und Schulfesten auf. Alfred Hilsberg, viel besungener Hamburger Labelbetreiber und Erfinder der Neuen Deutschen Welle, ist auf einer dieser Partys anwesend, ist von den Ska-Klassikern mit deutschen Texten angetan und bietet Skafighter eine Veröffentlichung auf seinem gerade aus der Taufe gehobenen Label ZickZack an. Ein Angebot, das man schwerlich ablehnen kann. Doch was aufnehmen? Auf Partys deutschsprachigen Versionen alter Skanummern unter dem Namen Skafighter zu spielen, ist das Eine, die erste Veröffentlichung das Andere. Da müssen Originale her! Kurz vor dem Studiotermin schreibt Diederichsen „Eva, Jürgen und Max“ sowie „Klein und doof“. Nach einem Tag ist die Single im Kasten und gemischt. Skafighter benennen sich, angelehnt an den Moderator der gruseligen „True Crime“-Sendung Eduard Zimmermann, in Ede und die Zimmermänner um. Die Livepremiere unter der neuen Firmierung findet beim ZickZack Festival in der Markthalle statt (mit dabei: ZK, Saal 2 und FSK).
Es folgen einige Besetzungswechsel, etwa steigt Rica Blunck (= „Ede“) aus, was die Band dazu zwingt, den Bandnamen auf Die Zimmermänner zu verkürzen.

Unter diesem bis heute gültigen Namen veröffentlichten Die Zimmermänner in den 1980er Jahren Klassiker des Genres: die Alben „1001 Wege Sex zu machen ohne daran Spaß zu haben“, „Goethe“ sowie die EP „Zurück in der Zirkulation“. Aber was für ein Genre eigentlich?

Wäre ja schon, gesetzt den Fall, Die Zimmermänner wären eine englische Band gewesen, schwer zu beschreiben. Ede und die Zimmermänner ... Ska und Monochrome Set vielleicht? Später dann ... schwierig, schwierig ... Machen wir es uns einfach und subsumieren Die Zimmermänner einfach mal unter den Summer of Love ´82. Da hätten sie doch gut reingepasst. ABC, Haircut 100, Dexys, Die Zimmermänner, Orange Juice. Nach dem schweren, harten, schwarzen, bleiernen Punk und Postpunk etwas, nun ja, Helleres? Melodien UND Subversion. Orangensaft statt Heroin. Einen Sound, den Bob Stanley in seinem Buch „Yeah, Yeah, Yeah – The story of Modern Pop“ mit dem schönen Terminus „Overground Brightness“ beschreibt. Popmusik darf, muss aber nicht blöde sein.

Nun sind einige Dekaden seit der Veröffentlichung von „1001..“ und „Goethe“ ins Land gezogen. Auch das bisher letzte Album „Fortpflanzungssupermarkt““ hat schon einige Jährchen auf dem Buckel. Zeit für etwas Neues (Das neue Album „Ein Hund namens Arbeit)! sollte Zeit für etwas Altes (Das 5CD Boxset „Die Wäscheleinen waren lang“) sein! Und siehe da, Die Zimmermänner sind immer noch die ungewöhnliche Band, die sie immer waren. „Overground Brightness“ ist immer noch Underground. Stattdessen erfreut sich die deutsche Variante des Heartland Rock einer erstaunlichen Beliebtheit, ebenso wie gebrüllte Befindlichkeit und introvertierte Winselei wahlweise in der Form der Singer/Songwritertums oder des, au Backe, Deutschen Souls. Hat die protestantisch-sozialdemokratische Schlichtheit endgültig gewonnen? Noch nicht! Bring it on, Zimmermänner!

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