gehoerte stadt I

24 Sep 2008 - 20:00
biegungen ohrenstrand logo
ohrenstrand auf dem pfefferberg:

Gehörte Stadt
Berlin, ick hör dir trapsen!

Worum geht es bei "Gehörte Stadt" ?

Wir
möchten Sie dazu bringen, sich in die Situation eines blinden Menschen
zu versetzen und auf diese Weise Ihr Verständnis dessen, was Hören
bedeuten kann, zu erweitern. Erleben Sie Berlin mal mit den Ohren, und
nicht mit den Augen. Versuchen Sie, sich in die Lage eines blinden
Menschen zu versetzen und vertrauen Sie ganz Ihren Ohren.
Blinde
Menschen sind ganz stark auf ihr Gehör angewiesen, um sich im Alltag zu
organisieren. Den Sehsinn, den sie verloren haben oder gar nie besessen
haben, kompensieren sie mit einer Verfeinerung des Hörsinns. Sie sehen
mit ihren Ohren.
Wir Sehenden hingegen sind uns der Wichtigkeit des
Hörens gar nicht bewusst. So verpassen wir tagtäglich kleine,
vermeintlich unspektakuläre akustische Ereignisse, die den Sound einer
Stadt prägen.
Wenn man da mal genau hinhört, wird man viele
Klänge/Sounds/Geräusche entdecken, die einen entzücken, verunsichern,
nerven oder freuen.

Der Hörgang funktioniert so:

1.
Melden Sie sich per e-mail ? info@ohrenstrand.net - oder telefonisch unter der Nummer 030/24749-870 an.
Sie erhalten in den nächsten Tagen von uns eine Bestätigung Ihrer Anmeldung.

2.
Bringen
Sie, falls möglich, eine Begleitperson zur Audioführung mit. Sie müssen
sich für den Hörgang die Augen verbinden, und gleichzeitig soll Ihnen
aber nichts passieren, wenn Sie mit verbundenen Augen durch die Gegend
spazieren. Deshalb möchten wir, dass jedeR TeilnehmerIn eine schützende
Hand dabei hat.
Wenn sie keine Begleitperson finden, ist das kein
Problem - Sie schließen sich dann einfach mit eineR anderen
TeilnehmerIn zusammen.

3.
Die Audioführung wird von Silja
Korn, die blind ist, geleitet. Sie beginnt und endet im pfefferberg
haus 13 und dauert ungefähr 45 Minuten. Anschließend gibt es die
Möglichkeit eines Gesprächs im haus 13.
Der Hörgang wird aufgenommen, damit eindrückliche Momente des Weges gleich im Anschluss noch einmal gehört werden können.
Die Teilnahme ist kostenlos.

Alvin Lucier, Komponist, zum Hören
(Auszug aus einem Kommentar zu seinem Stück ?Chambers?):

"...ich
will, dass Sie ihre Ohren für ihre jeweilige räumliche Umgebung
aufmachen, ganz sicher will ich das, jetzt sogar noch mehr als vor der
Komposition des Stücks. Ich höre jetzt viele Flatterechos, wenn ich
fernsehe oder Radio höre oder jemanden auf der Straße gehen höre. Ich
höre jetzt mehr als je zuvor Klänge, die von Wänden zurückkommen, die
von ihnen zurückgeworfenen Echos; oder wenn du von diesem
Verwaltungsgebäude hier den Hang heruntergehst, wie sich die Klänge
deiner Schritte im vorbeigehen ändern, oder wenn da ein Baum steht oder
eine Mauer und du an der Mauer vorbeigehst und auf ein freies Gelände
kommst, wie sich da deine Schritte aufgrund der Architektur ringsherum
verändern."